Anja Mutschler
Gründerin, Galeristin und Kuratorin von 20blue.arts — Kunsthistorikerin, Politikwissenschaftlerin und Forscherin aus Leipzig.
Kunsthistorikerin, Beraterin, Galeristin.
Zwischen Kunstgeschichte, Politikwissenschaft und interdisziplinärer Beratung hat Anja Mutschler sich über zwei Jahrzehnte ein Netzwerk und eine Haltung erarbeitet, aus der 2026 die Galerie 20blue.arts entstanden ist.
Biografie
Anja Mutschler, geboren 1979 in Schwäbisch Hall, ist Kunsthistorikerin und Politikwissenschaftlerin (M.A.). Sie studierte ab 1998 in Konstanz, Freiburg im Breisgau, Leipzig und Paris und schloss 2004 mit einer Magisterarbeit über den Architekten Le Corbusier ab.
Aufgewachsen ist sie in einer Familie, in der Kunst selbstverständlich war: Ihr Großvater Rudolph Mutschler (1909–1990) und ihr Vater Michael Mutschler waren beide Maler und Kunstlehrer, ihre Tante Eva Petzold ist Künstlerin und Architektin. Aus dieser Künstlerfamilie ist später die Ausstellung „Enjoy the difference“ entstanden, in der Anja Mutschler die Werke ihrer Familie erstmals gemeinsam zeigte.
Nach journalistischen und PR-journalistischen Anfängen gründete sie 2011 in Leipzig den Wissensdienstleister NIMRUM, aus dem das interdisziplinäre Beratungsinstitut 20blue wurde. Mit einer Expert Community von heute über 300 Fachleuten aus Wissenschaft und Praxis berät sie seither Organisationen aus Wirtschaft und Politik – ergänzt durch eine Ausbildung zur systemischen Organisationsberaterin (WIBK). Als freie Autorin schreibt sie unter anderem auf textscherben.blog und dietextkultur.de und moderiert seit 2021 den Podcast „20blue hour“.
2024 gründete Anja Mutschler im Plagwitzer Bahnhof den Kunstsalon Mutschler & Friends – einen „Raum für Kunst und Gesellschaft“, der mehrmals im Jahr zu Themensalons mit Lesungen, Diskussionen und Performances einlädt. Im selben Jahr übernahm sie außerdem die freie Kuration der Stiftungsgalerie KK5 in Leipzig. Im August 2026 eröffnete sie mit 20blue.arts in der Kolonnadenstraße 9 einen eigenen Galerie- und Projektraum mitten in der Stadt, in dem sie ihr über Jahre gewachsenes Künstlernetzwerk zeigt – mit besonderem Blick auf sogenannte „Silver Artists“ und junge Talente.
Anja Mutschler lebt mit Familie in Leipzig und beschäftigt sich auch wissenschaftlich mit der Frage des Zusammenhalts – am Forschungsinstitut Gesellschaftlicher Zusammenhalt.
Statement
Wenn ich kuratiere – was womöglich meine künstlerische Praxis ist –, versuche ich vor allem, Stimmigkeit im jeweiligen Raum zu schaffen. Vielleicht, weil ich es nicht anders kenne? Das „Küchenatelier“ im hinteren Raum von 20blue.arts funktioniert dabei als Analogie zur Kunstpräsentation daheim – viele Besucher*innen spricht das an, denn einen weißen Raum ohne Möbel haben die wenigsten. Gern erzähle ich dann von der Erinnerung, wie Kunst als Kind bei mir zu Hause hing: Kunst war überall. Kunst zu machen, fand ich persönlich nicht außergewöhnlich – wie das eben ist, wenn man aus einer Art Künstlerfamilie kommt, in der Kunst so gut es ging in die alltägliche Praxis integriert wurde.
Kuratieren heißt für mich, aus einer potenziellen Unendlichkeit von Werken, Perspektiven und Fragen jenen einen Ausschnitt zu wählen, der etwas bedeutet – und daraus einen Raum zu bauen, in dem sich Interpretation entfalten kann und meine ganz unterschiedlichen Interessen endlich zusammenfinden. Meine Vergangenheit und Gegenwart als Forscherin und transdisziplinäre Beraterin fließen dabei unmittelbar ein: Für mich ist Kuratieren die Verschmelzung von Wissenschaft und Kunst zu einer Zusammenstellung, die zu einem Thema etwas Eigenes zu sagen hat.
Besonders am Herzen liegen mir die „Silver Artists“ – Menschen, die ihre künstlerische Leidenschaft erst nach einem gemachten Leben zu einem Werk verdichten, weil das, was sie schon gelebt haben, längst zu einer klaren, trendunabhängigen Haltung geronnen ist. Mittlerweile kenne ich einige von ihnen, und die Vielfalt ihrer Erzählungen, die Kraft ihrer Werke faszinieren mich – sie korrigieren einen Webfehler des herkömmlichen Kunstbetriebs, der ausschließlich lineare Lebensläufe kennt. Wieso eigentlich? Wer von uns hat einen solchen?
Mit 20blue.arts baue ich einen Ort, an dem gute Kunst auf gute Leute trifft. Ich will nicht vorschreiben, was Kunst bedeutet – ich will Zugänglichkeit schaffen. Denn Kunst kann einen Perspektivwechsel anbieten – sie ist eine Art poetischer Kommentar zur Welt, über den wir mehr begreifen können als nur über Diskurs und Fakten allein. Ich möchte eine faire Plattform für Künstlerinnen und Künstler schaffen – und einen Ort, an dem sich auch kleine, neue Sammlerinnen und Sammler willkommen fühlen, nicht nur jene, die den Kunstmarkt bereits kennen.
Ich verstehe diesen Raum als Gefäß, das ich aufstelle – gefüllt wird es von den Menschen, die hineinkommen. Genau das wünsche ich mir für 20blue.arts: dass hier mehr entsteht, als ich allein hineinlegen könnte.